Wurst für den Verfassungsschutz

Übergabe des üppigen Präsentkorbs (Foto: Audiolith)

„Scheitern und Verstehen“ von Feine Sahne Fischfilet (FSF) ist ein echtes Erfolgsalbum und verkauft sich wie nichts gutes. Das ist weniger dem Label Audiolith zu verdanken, sondern vor allem den Damen und Herren vom Landesamt für Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern. Denn im Verfassungsschutzbericht 2011 wird die Punkband in der Unterkategorie „Autonome Gruppen“ geadelt, indem ihr eine „explizit antistaatliche Haltung“ bescheinigt wird. Die damit offiziell saugefährliche Band ging anschließend durch alle Medien und dafür hat man sich nun angemessen beim Innenministerium in Schwerin mit einem Präsentkorb bedankt. Nach dem Klick gibt’s die Pressemitteilung von Audiolith.
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Looptroop Rockers – Fuel

Die Looptroop Rockers hauen endlich einen neuen Song raus. Fuel heißt er und ist ein dreieinhalbminütiger  Statusbericht über die Abgefucktheit der Welt.

„Nieder mit den Kapitalisten“-Songs gehen ja gerne mal nach hinten los und auch die vier Looptroop-Buben aus Schweden sind im Club der erhobenen Zeigefinger keine Unbekannten. In diesem Fall umschiffen der alte Zottelbär Promoe und seine Mannen die Gewässer der schulmeisterlichen Peinlichkeiten aber problemlos. Zu Uptempo-Oldschoolglocken wird hier mit Ölmultis und anderen Feinden von Mama-Erde abgerechnet. Dope!  Kann man hier laden. Bittesehr

Mic Check 1234!

Man nehme klassischen Punkrock und mische ihn mit den besten Tracks der Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper. Heraus kommt eine matschige Pampe namens Crossover. Kann sein. Muss aber nicht. Glaubste nicht? Dann frag Max Tannone. Der vereint auf seinem Remix-Album „Mic Check 1234“ das Beste aus beiden Welten und das in unbedingt hörenswerter Form.
Auf diesem Traum von einem Mashup-Album sind ein Großteil der Helden versammelt, die sich aus meiner Akne- und Alkopopzeit in die Gegenwart gerettet haben. Hier cyphert Black Thought mit den Dead Kennedys, Tupac hängt mit X ab und was bei M.O.P. x Operation Ivy live abgehen würde, wagt man sich kaum vorzustellen. Oder doch: ESKALATION!

Außerdem noch auf Repeat: Lupe Fiascos „Words I never said“ x The Damned. Nach wie vor ein starker Text, der von seiner Aktualität leider nichts eingebüßt hat. Gute Mc’s + gute Texte x Punkrock-Classics = extrem hörenswerte Musik.

Das Album und viele weitere Remix-Projekte von Max Tannone gibt es kostenlos bei Soundcloud oder auf seiner offiziellen Website.

Life’s Too $hort, but life’s also The Ramones

punkpoprap. Was soll das eigentlich? Irgendwie haben alle drei Wörter mit Musik zu tun, aber da hört es mit den Gemeinsamkeiten auch schon auf – denkt man, und liegt damit so richtig, wie ein Blauwal am Karibikstrand. Denn wer sich auch nur ein bisschen mit Musik beschäftigt, wird feststellen, dass die drei Genres mehr verbindet, als der Viervierteltakt.

Das könnte einem zum Beispiel 1986 aufgefallen sein. Ich war in diesem Jahr noch in Arbeit, aber Run DMC veröffentlichten gerade ihr Album »Raising Hell«, auf dem sie den Aerosmith-Song »Walk This Way« coverten. Als ich 15 Jahre später diesen Song im Saturn am Berliner Alexanderplatz kaufte, änderte das meine Welt komplett. Plötzlich wurde mir bewusst, dass es keinen Sinn macht, sich auf ein Genre zu beschränken und alle anderen zu verteufeln. Denn a.) erschien mir schon damals das Leben viel zu kurz und b.) die Welt der Musik im Vergleich schier unendlich groß.

Run DMC Raising Hell

Drei andere Typen, die sich um Genres ebenfalls einen Dreck scherten und deren Musik mich damals erleuchtete, waren – natürlich – die Beastie Boys. Denn sie verbanden die kritische Antihaltung des US-Punk mit der Kompromisslosigkeit des NY-Hardcore und der Kreativität von HipHop. Als Adam “MCA“ Yauch am 4. Mai 2012 verstarb, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich um einen eigentlich Fremden getrauert.

Im gleichen Jahr, zehn Jahre nachdem ein Elektronikmarkt in Berlin zu meinem persönlichen Berg Sinai geworden war, zeigte mir ein anderes Erlebnis erneut, dass Adam recht hatte, als er die Genregrenzen von Punk und HipHop einriss. Ich recherchierte gerade für ein Interview, dass ich mit Campino, dem Sänger der Toten Hosen für die JUICE führen wollte. Denn der Düsseldorfer Altpunk hatte sich für die Texte seines neuen Albums mit dem Rapper Marteria zusammengetan. Außerdem hatten die Toten Hosen bereits 1983, also schon vor Aerosmith und Run DMC, gemeinsam mit Fab Five Freddy eine HipHop-Version ihres Songs »Eisgekühlter Bommerlunder« veröffentlicht.

Campino und seine dead pants waren also vielleicht nicht mehr ganz so Punk, aber immer noch ziemlich Hip Hop. Trotzdem hatte ich mich vor der Interviewanfrage gedanklich schon auf die üblichen Absagefloskeln vorbereitet: »Danke für Ihr Interesse, leider ist der Künstler im Moment sehr beschäftigt und es sind bis auf Weiteres keine Interviewtermine geplant, blablabla rufmichniewiederan… «

Stattdessen kam nach kurzer Zeit die Bestätigung vom Management. Also machten wir das Interview und Campino schwärmte darüber, wie sehr er viele deutsche Rapper als Texter bewundern würde. Letztlich waren wir uns beide einig, dass Scheuklappen was für Pferde sind.

Warum ich das alles erzähle? Ganz einfach. In diesem Blog soll es genau darum gehen, seine Musik-Scheuklappen abzulegen und Künstler, Bands und Verrückte zu zeigen, die sich zwischen Punk und Rap bewegen. Denn mit Musik ist es wie mit einer Familienpizza: Man muss einfach mal über den Tellerrand blicken.

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